Chiesa della Santissima Trinità [Dreifaltigkeitskirche]

 

KONTAKT:  +39 0342 945030 (Frau Albina), www.associazioneteregua.it

ANREISE: Fraktion Teregua. Von Bormio herauf in Richtung Madonna dei Monti.

 

BESCHREIBUNG:
Die Chiesetta della SS. Trinità aus dem 16. Jahrhundert ist zwischen den Häusern einer kleinen Fraktion der Gemeinde Valfurva verborgen. Erkennbar ist sie aufgrund des Glockengiebels, ein seltenes Element, das bescheidene Landkirchen kennzeichnet. Die Kirche weist eine Giebelfassade auf, die durch ein Ochsenauge und oberhalb des Eingangsportals  durch eine freskenbemalte Lünette mit einer Darstellung der Dreifaltigkeit geschmückt ist. Die Widmung der heiligen Dreifaltigkeit, die sichtlich kultivierter und wesentlich weniger verbreitet war als die Anrufungen an die Heiligen Fürbitter und die Madonna, ist nicht nur ein Zeichen für die schwere Krise, in der sich der Katholizismus nach der Revolte von Luther (1517) befand, sondern auch des Klimas, welches dem Konzil von Trient (1545) voranging. Die kleine Kirche besteht nur aus einem einzigen Kirchenraum, der, zusammen mit einem Altarretabel der Tiroler Schule, einen zeitgenössischen Freskenzyklus in der Apsis aufweist, der im Jahr 1546 von Vincenzo De Barberis gemalt wurde. Dieser war ein Brescianer Künstler aus dem Wirkungskreis von Bernardino Luini, der dreißig Jahre im Veltlin tätig war. Die malerische Erzählung, die Vincenzo De Barberis in der Apsis der Kirche in Teregua ausführte, wird von der Ikonographie der Trinität und den vier Evangelisten dominiert. Sie huldigt aber gleichzeitig auch der Frömmigkeit des Volkes: Agatha, Agnes, Lucia, Barbara und Katharina – Hl. Jungfrauen und Märtyrerinnen – erscheinen in der Nähe der Heiligen Georg, Antonius, Rochus und Nikolaus. Das Holzretabel (erste Hälfte des 16. Jahrhunderts), das an den Modellen der sogenannten “Flügelaltäre” deutscher Tradition angelehnt ist, kombiniert das Thema der Dreifaltigkeit mit jenem der Maria lactans und der Märtyrersoldaten Gervasius und Protasius. Im Jahr 1635 wurde die Kirche während des Dreißigjährigen Krieges von den französischen Truppen des Herzogs Rohan in Brand gesetzt. Dadurch wurden die Fresken beschädigt und die Glocke ging verloren, die allerdings drei Jahre später durch eine neue Bronzeglocke ersetzt wurde. Diese war das Werk des bekannten Glockengießers Nicolas Garnier aus Lothringen. In jener Zeit (1644) wurde auf der bestehenden Sakristei die neue Sakristei erreichtet, die als Lager von Monte di Pietà diente, eine Hilfsorganisation, die für die Waisen und die Witwen, die Opfer der Pest waren, eingerichtet wurde. Im Jahr 1869 entging die Kirche einem weiteren Brand, der in den nahe gelegenen Häusern loderte. In den Jahren des Großen Krieges, als die Frontlinie auf den Bergrücken oberhalb der Ortschaft Teregua verlief, diente die Kirche als Unterkunft für die Truppen. Man versuchte damals die Malerei zu schützen, indem man den Chor durch einen Vorhang verhing, um Beschädigungen durch den Rauch der Öfen, die in den Behelfsunterkünften im Winter befeuert waren, möglichst gering zu halten. In der Folge wurden die Fresken und das Altarretabel erneut bemalt, wodurch die Originalfarben leider verändert wurden. Durch die Feuchtigkeit,  die sich im Zuge des Ausbaus der an die Kirche angrenzenden Straße ausgedehnt hat, wurde die Konservierung der gesamten Dekoration massiv gefährdet.

INTERESSANTES:
Zur Überraschung vieler, wurde die Trinità von Teregua im Sommer 2004 von 3142 Personen zum “Ort des Herzens” erklärt, der bewahrt werden müsse. Die kleine Kirche steht an vierter Stelle in der nationalen Rangliste der zweiten Bestandsaufnahme der FAI (Italienischer Umweltfonds). Am 25. Oktober 2005 wurde die Associazione Teregua gegründet. Dieser Verein hat sich zum Ziel gesetzt, das Bauwerk zur Gänze zu restaurieren, um der Gemeinschaft dieses wertvolle religiöse, geschichtliche und kunsthistorische Erbe zurückzuerstatten. In dem von der Associazione Teregua veröffentlichten Buch wird anhand einer Reihe von Essays über die Chiesa della Santissima Trinità von Teregua in Valfurva – Geschichte, Kunst, Verehrung und Restaurierung berichtet.